Unser lieber Robert Heinrich
Der Kaiser ist zurück. Aber bleiben Sie ganz ruhig: Weder wurde Karl I. exhumiert, noch das Ergebnis der vergangenen Nationalratswahl annulliert. Gemeint ist Kaiser Robert Heinrich I., der seit 2007 beim ORF sein Österreich "aus dem Elend führen" soll.
Pünktlich zum diesjährigen Nationalfeiertag muss er wieder ran. Hoher Besuch hat sich angekündigt: Volksmusiker Marc Pircher, Kinderbuchautor Thomas Brezina, Thomas D., Matthias Strolz von den Neos, die Boss-Hoss-Frontmänner Alec und Sascha sowie des Kaisers Seelenverwandter Helmut Berger.
Scharfzüngigkeit und Lausbubentum
Robert Palfrader tut in Person des Kaisers, was er immer tut, wenn er den Plural Majestatis auspacken und die kaiserliche Uniform anziehen darf: Er führt Interviews nach ganz anderen Regeln. Mit Thomas D. lästert er über die "Piefkes". Mit Matthias Strolz zieht er über Maria Fekters Gesichtszüge her. Bei den Boss Hoss macht er ein paar Anspielungen, wie "ding" eine siebenköpfige Musikergruppe doch ist, die die alten Outfits amerikanischer Rinderhirten aufträgt. "Aus Deutschland kommen die ganzen Schweinereien."
Er darf das, schließlich ist er der Kaiser. Und ein prächtiger Satiriker, bei dem all die (komödiantischen) persönlichen Anflegelungen noch charmant klingen, für die man andere Kabarettisten bereits scharf zurechtweisen würde. Durch Palfrader wird dieser lächerliche Kaiser ein Kumpeltyp, dem man nichts übelnehmen kann, weil er ohnehin jenseits von Gut und Böse ist. Augenzwinkernde Kumpanei mit einem Stachel, der trifft, aber niemals verletzt. Die perfekte Symbiose aus einer brachialen Kunstfigur und ihrem schelmischen Darsteller, bei dem bei aller Scharfzüngigkeit immer der Lausbub durchschimmert.
Zwischendurch ein wenig Trash und Slapstick
Aufgelockert wird die eineinhalbstündige Audienz durch Einspieler aus dem Hofleben, wo Robert Heinrichs begrenzte Intelligenz und sein Größenwahn das Chaos zum Normalzustand machen. Das Opfer des Kaisers Irrsinn ist meist Obersthofmeister Seyffenstein (Rudi Roubinek), der bei den Live-Teilen der Sendung als kaiserlicher Stichwortgeber fungiert. Die aktuelle "Wir sind Kaiser"-Folge, in der Robert Heinrich der festen Überzeugung ist, unsichtbar zu sein, und der Rest des Hofstaates das dämliche Spiel aus Pflichterfüllung eben mitspielt, mag nun keine kreative Höchstleistung gewesen sein; durch Palfraders und Roubineks Spielfreude wurde sie trotzdem zum Schreien komisch.
Die wirklich zynisch-beißende Satire, die der Sendung auch ein gewisses Maß an Relevanz verleiht, gibt es anderswo: Dann, wenn Robert Heinrich und Seyffenstein das aktuelle politische Geschehen mit scharfer Zunge auseinandernehmen - wobei sich das kongeniale Duo oft als so treffsicher erweist wie die "heute-show" aus Deutschland.
Richard Lugner darf nicht fehlen
Und ein bisschen Trash darf auch noch sein. Nicht nur durch Helmut Bergers Auftritt, sondern auch durch Richard Lugner, dem seit der ersten Folge die Audienz verweigert wird. Gestern durfte er wieder versuchen, sich einzuschleichen - diesmal verkleidet als Barack Obama, der vorgibt, über die NSA an brisantes Bildmaterial von Kaiser Robert Heinrich gekommen zu sein. Am Schluss sitzt der aber wieder am längeren Hebel und Lugner muss desillusioniert abziehen. Bis zur nächsten Folge, die der ORF im Dezember zeigen will.
Ob die neue Regierung bis dahin schon stehen wird? "Wuascht", würde Robert Heinrich da sagen. Er bleibt sowieso im Amt. Gott sei Dank. Nur brav darf er ja nicht werden!